In dieser Zeit....

In dieser Zeit
siehst du das Wasser
aufwärts fließen,
du kämpfst mit
Seidenfäden gegen
Wände aus Beton.

Doch irgendwann
steigst du heraus
aus Grabestiefen
der fahle Mond
bei Nacht kann
nicht mehr drohn.

Denn irgendwann
trägt dich ein Adler weiter
auf Flügeln, die du
früher nie bemerkt.
Du spürst die Kraft
und plötzlich bist du heiter.
 

Das Leben trägt
ein anderes Gesicht.
 © Gerti Kurth




Frühlings-Sonett

Der Winter hat sein kaltes Kleid verloren.
Entführt hat es ein sanfter Frühlingswind.
Derweil die neue Zeit mit Macht beginnt,
wird unter kalter Erde Leben neu geboren.

Die Winterzeit lässt manches ungeschoren,
wenn in der Tiefe jene Kraft entspringt,
mit der sie junges Grün zum Sprießen bringt.
Der Drang nach Leben, er ist nicht erfroren.

Und auch der Mensch zeigt wieder Lustgefühle
Er hat die lahmen Flügel ausgespannt
und streift sie ab, die starre, dunkle Kühle,

die ihn für lange Zeit ins Schattenreich verbannt.
Der Frühling reißt ihn aus der Alltagsmühle
ins sonnenwarme, aufgeblühte Land.

© Gerti Kurth

Foto Glasfischerl






Angelegt

 Endloser Himmel,
schimmernde See.
Der alte Kahn
atmet Stille,
ruderlos.
Er hat angelegt.
Die Arbeit ist getan.

  © Gerti Kurth

 
Lake District

Unsichtbare Riesen schieben
Wolkenberge vor sich her.
Farne, die den Regen lieben
beugen ihre Köpfe schwer.

Zwischen moosbegrünten Steinen
huschen Elfen durch den Wald, 
die Gewänder gläsern scheinen,
durchsichtig ist die Gestalt.

Mystisch steigt ihr weißer Atem
aus den Tiefen übers Land, 
zieht zum See und dort geraten
sie ans Licht mit Geisterhand.

Sonne strahlt auf grüne Wiesen,
Mensch und Schaf sind mittendrin.
Und ich will es recht genießen,
dieses Glück, worin ich bin.

 © Gerti Kurth
Foto Gerti

Foto Gerti



Maskerade

Er kennt sie nicht,
perfekt ist ihre Maske,
blutrot der Mund,
der ihm entgegen lacht.

Er träumt von ihr,
vom Schleier, der sich lüftet.
Er will sie haben
diese eine Nacht.

Er weiß noch nichts
von ihrem Seelenleben,
den kleinen Wunden,
die sie noch versteckt.

Er sieht nur eine
Traumfassade.
Der Mensch in ihr
bleibt unentdeckt.

  © Gerti Kurth


Winter

 Auch wenn du mich mit Wärmegraden fütterst
und Frühlingsduft unter die Nase hältst.
Dass gar die Pflänzchen ihre Köpfe strecken
aus dunkler Erde in die trügerische Welt.
Du Winter täuscht mich nicht!

Ich weiß, du hast das leichte Kleid
zum Schein nur angezogen,
Dein Freund, der Frost hält sich bereit.
Er fühlt sich auch von dir betrogen,
sonst hätte es schon längst geschneit.

Was soll die dumme Maskerade
Ein jeder weiß, du bist kein Freund der warmen Jahreszeit
Tu deine Arbeit und sei keine Plage.
Der Frühling hält schon in der nächsten Zeit
den Winter-Abschiedsstab für dich bereit.


  © Gerti Kurth

Allen meinen lieben Leserinnen und Lesern 
wünsche ich ein besinnliches Weihnachtsfest
und ein gesundes, friedvolles Neues Jahr.
Ich bedanke mich bei Euch für Eure Treue
und wünsche mir, dass wir noch viele befruchtende
Texte miteinander teilen dürfen.

Eure Gerti Kurth