Angelegt

 Endloser Himmel,
schimmernde See.
Der alte Kahn
atmet Stille,
ruderlos.
Er hat angelegt.
Die Arbeit ist getan.

  © Gerti Kurth

 
Lake District

Unsichtbare Riesen schieben
Wolkenberge vor sich her.
Farne, die den Regen lieben
beugen ihre Köpfe schwer.

Zwischen moosbegrünten Steinen
huschen Elfen durch den Wald, 
die Gewänder gläsern scheinen,
durchsichtig ist die Gestalt.

Mystisch steigt ihr weißer Atem
aus den Tiefen übers Land, 
zieht zum See und dort geraten
sie ans Licht mit Geisterhand.

Sonne strahlt auf grüne Wiesen,
Mensch und Schaf sind mittendrin.
Und ich will es recht genießen,
dieses Glück, worin ich bin.

 © Gerti Kurth
Foto Gerti

Foto Gerti



Maskerade

Er kennt sie nicht,
perfekt ist ihre Maske,
blutrot der Mund,
der ihm entgegen lacht.

Er träumt von ihr,
vom Schleier, der sich lüftet.
Er will sie haben
diese eine Nacht.

Er weiß noch nichts
von ihrem Seelenleben,
den kleinen Wunden,
die sie noch versteckt.

Er sieht nur eine
Traumfassade.
Der Mensch in ihr
bleibt unentdeckt.

  © Gerti Kurth


Winter

 Auch wenn du mich mit Wärmegraden fütterst
und Frühlingsduft unter die Nase hältst.
Dass gar die Pflänzchen ihre Köpfe strecken
aus dunkler Erde in die trügerische Welt.
Du Winter täuscht mich nicht!

Ich weiß, du hast das leichte Kleid
zum Schein nur angezogen,
Dein Freund, der Frost hält sich bereit.
Er fühlt sich auch von dir betrogen,
sonst hätte es schon längst geschneit.

Was soll die dumme Maskerade
Ein jeder weiß, du bist kein Freund der warmen Jahreszeit
Tu deine Arbeit und sei keine Plage.
Der Frühling hält schon in der nächsten Zeit
den Winter-Abschiedsstab für dich bereit.


  © Gerti Kurth

Allen meinen lieben Leserinnen und Lesern 
wünsche ich ein besinnliches Weihnachtsfest
und ein gesundes, friedvolles Neues Jahr.
Ich bedanke mich bei Euch für Eure Treue
und wünsche mir, dass wir noch viele befruchtende
Texte miteinander teilen dürfen.

Eure Gerti Kurth


Eisblumen

Kannst du heut Eisblumen noch sehn?
Die Kindheit malte sie an Glas,
von Kälte eingefrornes Nass,
sternglitzernd, kalt und wunderschön.

Kannst du die Eisblumen noch sehn?
Die Menschen eng im kleinen Raum,
ein jeder friert, du spürst es kaum,
willst nur an diesem Fenster stehn.

Ganz nah, der Atem küsst das Eis.
Das Auge voll Begehrlichkeit
liebkost des Winters Herrlichkeit,
haucht heimlich Wünsche in sein Weiss.


© Gerti Kurth


Herbst

Der Herbst hat seine
Seiten aufgeschlagen.
Derweil die Winde
bunte Blätter jagen,
schenkt er dem Weinberg
seinen eignen Glanz.

Die Jahre, einst von
Leichtigkeit getragen,
mit Augenblicken, 
die nicht nach dem 
Nutzen fragen,
sie werden träger
und die Zeit 
verschlingt sie ganz.

Du suchst die warmen Tage
im Kalender,
der Wind hat sie ins
Niemandsland entführt.
Sie haben ihren Weg
schon lang passiert,
Gelassenheit blüht jetzt
an ihren Rändern.

 © Gerti Kurth