Sturm- und Drangzeit

  Du hast die Kindheit 
abgestreift wie einen Kokon.
Mit dem leichten Flügelschlag
der Jugend,
tauchst du ein ins schillernde Leben,
badest im Necktar weiblicher Süße
und flatterst wieder davon.

Für kurze, unvergessliche Momente
bist du der König aller Rosenblüten.

Gib acht mein Sohn!
Verbrenn dir nicht die Flügel
im grellen Licht der Eitelkeit.
Die Zeit des Höhenflugs ist nicht von Dauer. 

  © Gerti Kurth




Die Suche nach Inspiration

Geistiges Durcheinander.
Worthülsen unfertig,
zerrissen, ohne Sinn.

Bildhafte Schatten
schemenhaft
verfangen im Netz

der Wortlosigkeit.
In deren Öde
sich wiederholen,
gedankenlos scheitern.

Ein Aufbäumen, kämpfen
erfolglos suchen,
Am Ende habe ich verloren..

gerti kurth
Anfang und Ende

Der Morgen wird
vom Abend begleitet,
In der Wiege hält
sich der Tod  bereit.
Und mittendrin
das warme Leben
zwischen noch nicht
und doch schon bald.

Der Anfang atmet 
schon das Ende,
auch wenn die Welt
in Blüte steht.
Der Tag verliert sich
an die Wende
bevor er wieder aufersteht.
Und jede Stunde, jeden Tag
leg ich in Gottes Hände.

Gerti Kurth 


Nicht loslassen....

Nicht loslassen
die Hand,
die Heimat ist
für eine streunende Seele.

Festhalten
die Leiter,
deren Sprossen
zerschlissene Stunden birgt.

Hochsteigen
den Berg,
wo Erinnerungsfäden
Vergangenes festhalten.

Wiederfinden
mich selbst,
den Blick nach vorn,
doch in den Fußstapfen von dir.

 © Gerti Kurth


Allen meinen lieben Leserinnen und Lesern wünsche ich von Herzen
ein gesundes, erfolgreiches, friedvolles 2018

Es macht mich froh, wieviele Menschen an meinen Gedichten Freude haben
und es animiert mich, auch wenn in den letzten Wochen die kreative Phase
ein bisschen eingeschlafen ist. 
Es gehört zu den üblichen, am Jahresende geplanten Vorsätzen, die aber hoffentlich erfüllt werden.
Eure Gerti
Foto Gerti


Neujahr

Das neue Jahr noch zukunftsschwanger
stellt alte Laster an den Pranger.
Kampfbereit zum Neubeginn
und im exakten Vorwärtsschritt
schaut es mit keinem Blick zurück.

Gerti Kurth

 
Freud und Leid liegen so nah beieinander und man muss sich mit beiden abfinden. So kann eine traurige Zeit mit einem frohen Erlebnis unterbrochen werden. Du bemerkst, die Welt zeigt dir ein anderes Gesicht und du schätzt dieses Erlebnis umso mehr, weil es dir Auftrieb gibt in einer trüben Zeit.
Immer im November, wenn Erinnerungen, wie bunte Blätter an dir vorbeiflattern und die Bäume kahl erscheinen lassen, dann ist auch die Zeit der Lesungen für mich. Die melancholische Stimmung schreibt die schönste Poesie. 

11. November 2017
11. November 2007

Verlassen

Er legte den Schleier
über die Sonne
und pflückte die Freude
aus ihrem Haar.

Er warf kalte Asche
auf blühende Träume
und ließ ihre Hand los
als Herbst es war.

© Gerti Kurth